Fiktion 07

5 02 2009

Ich weiß nicht, wie lange ich die Worte noch wiederholt habe aber irgendwann
muss ich eingeschlafen sein. Als ich wieder erwache entdecke ich ein Bett neben
meinem, in welchem ein Mann liegt.
Der sieht alt aus, wie er so da liegt und schläft in seinem weißen Bett, in weißem
Laken. Auch aus seinem Hals und Oberkörper laufen Schläuche in eine Maschine
und auch wieder zurück. Er hat weder Haare auf dem Kopf noch Augenbrauen
oder einen Bart. Bei näherer Betrachtung fällt mir auf, dass seine Augen zugenäht sind.
Plötzlich schaltet sich eine Maschine neben ihm ein und pumpt eine grünliche
Flüssigkeit durch den Schlauch in seinen Brustkorb. Kurz darauf wacht mein neuer
Zimmergenosse auf.
„Hallo?“ sagt er in den Raum und ich erwidere seinen Gruß mit einem kurzen „Hi“.
„Guten Tag, mein Name ist 1-3-2-3-2-1 und mit wem habe ich die Ehre?“
Wie aus Reflex Antworte ich “ICH-BIN-1-3-2-5-7-6″. Und bin selbst recht überrascht
über meine Antwort und vor allem, wie schnell sie aus meinem Mund geflogen kam.
„Ah, ein Neuer. Haben sie sich schon gut eingelebt? Ich hörte die Zimmer hier sollen
recht schön gestaltet sein. Zumindest sagte mir dies 1-0-0-1-2-1, mein alter
Zimmerkompane. Wie sie sicher bereits mitbekommen haben, bin ich leider seit
meiner Geburt blind und kann dies selbst nicht beurteilen. Haben sie IHN denn
schon kennen gelernt?“
- Blind, er glaubt tatsächlich, dass er Blind ist. Kurz überlege ich, ihn zu fragen
warum seine Augen zugenäht sein, stelle diese Frage aber erst einmal in den
Hintergrund da mit zur Zeit noch ganz andere Dinge unter den Nägeln brennen.

„Wen meinen sie mir „Ihn“? Ich weiß nicht einmal wo oder wie ich hergekommen bin.“
„Hergekommen? Woher denn mein Freund?“
„Ich, ich weiß nicht. Ich weiß ja nicht einmal, wie lange ich hier schon bin.“
„Und, warum sind sie dann so sicher, dass sie hergekommen sind? Vielleicht waren
sie ja schon immer hier? Ich für meinen Teil bin mir relativ sicher, dass ich hier schon
immer gewesen bin.“
„Und sie liegen schon immer in diesen Betten?“
„In der Erholungsstation? Wo denken sie hin? Welchen Sinn hätte es immer hier zu liegen?
Nein, manchmal braucht man einfach ein bisschen Ruhe und dann sind diese Räume ein
wahrer Traum. 1-0-0-1-2-1 erfreute sich immer wieder, wenn das Dach geöffnet wurde
und wir den Vögeln lauschen konnten. Wissen sie ob das Dach heute schon geöffnet wurde?“
Ich schaue an die Decke und sehe wieder Buchstaben.
Kämpfen sie nicht! Glauben sie nicht! Wissen sie!
Gerade als ich 1-3-2-3-2-1 sagen möchte, dass dieser Raum nie seine Decke öffnen wird
und die Vogelgeräusche wohl nur eingespielt werden, schaltet sich wieder eine der Maschinen
neben mir ein und wieder überfällt mich eine totale Taubheit. Ich kann weder Arme noch Beine
Bewegen, nicht sprechen und nicht mal meine Augen bewegen. Den Blick starr auf die Decke
gerichtet fange ich wieder an zu lesen.
Sie sollen nicht Kämpfen. Sie sollen nicht Zweifeln. Wer den Zweifel sucht, verliert das Glück.
Schützen sie ihr Glück. Glauben sie nicht, Wissen sie! Sie sind 1-3-2-5-7-6. Sie sind 1-3-2-5-7-6.
S-I-E S-I-N-D 1-3-2-5-7-6. Wir werden nun das Dach öffnen. Genießen sie Sonne und Himmel!

Plötzlich erscheint ein grelles Licht, ein leichter Windhauch durchfließt den Raum und Vogelgezwitscher
ist zu hören. Langsam gewöhnen sich meine Augen an diese extreme Helligkeit und ich sehe wieder
den einen Vogel, immer und immer wieder, während mein Bettnachbar immer wieder „Ach ist das schön“
vor sich hin prabbelt .





Fiktion 06

20 11 2008

Eins-Drei-Zwei-Fünf-Sieben-Sechs bitte öffnen sie die Augen!
Wieder höre ich diese computergenerierte Stimme und wenige Sekunden darauf erkenne ich durch meine verschlossenen Augen, dass der Raum in Licht gelegt wurde. Mein körperlicher Zustand hat sich deutlich gebessert und meine Kopfschmerzen sind verschwunden.

Ich öffne die Augen und sehe, dass ich auf einem Bett fixiert wurden bin. Aus meinen Armen, dem Oberkörper und Hals schleichen sich unterschiedlich dicke Schläuche, welche alle in verschiedenen Kathedern und Geräten enden. Man hat mir wohl auch ein Beruhigungsmittel verabreicht denn obwohl meine Umgebung alles andere als vertrauenswürdig ist, habe ich keine Angst mehr.
Der Raum selbst ist recht hell und futuristisch gestaltet. Eine Seite besteht aus einer milchigen Glasscheibe die wohl dazu dient mich zu Beobachten. Zumindest glaube ich dies. Auch befindet sich eine Tür in dieser Scheibe. Wieder ohne Knauf. Statt einer Decke befindet sich ein riesiger Bildschirm über mir, der mir einen sonnigen Tag vorgaukelt. Immer wieder fliegt ein Vogel von links nach rechts. Ich zähle die Sekunden und stelle fest, das der Vogel genau 12 Sekunden damit beschäftigt ist, den Raum zu durchqueren, dann für weitere 10 Sekunden verschwunden ist um dann wieder auf der linken Seite aufzutauchen. Dieser Vorgang wiederholt sich genau einhundert-dreiundzwanzig Mal und wechselt dann. Der Vogel fliegt plötzlich von rechts nach links.
Wieder zähle ich einhundert-dreiundzwanzig Flüge, und wieder wechselt die Richtung.
Dann tauchen plötzlich schwarze Zahlen auf dem Bildschirm auf. 1-3-2-5-7-6.
Immer wieder die gleiche Zahlen.
Text: Sie-Sind-1-3-2-5-7-6.
Immer wieder der gleiche Text.
Während sich der Himmel langsam schwarz färbt, und die Sonne verblendet, leuchtet die Schrift in einem immer greller werdenden Grün immer Größer, so das bald nur noch ein Buchstabe auf die Decke passt, der ständig wechselt.
ICH-BIN-1-3-2-5-7-6.
Plötzlich wieder diese Stimme Lesen Sie!
Ich bleibe stumm.
Lesen Sie! ertönt es lauter, doch ich gebe keinen Laut von mir.
Plötzlich schaltet sich das Gerät, welches mit dem Schlauch in meinem Hals verbunden ist ein und pumpt eine Flüssigkeit in meinen Hals und eine starke Übelkeit überkommt mich.
Dann übergebe ich mich.
Man muß mir die Fäden im Schlaf entfernt haben.
Lesen Sie! schreit es mich ein drittes mal an und ich beginne immer wieder zu wiederholen „ICH-BIN-1-3-2-5-7-6″.





Fiktion 05

19 11 2008

Langsam bewegen sich zwei Füße, die einen großen Körper, eingehüllt in ein schwarzes Gewannt, tragen, auf mich zu. Ich weiche zurück, merke jedoch sofort, dass ich mich bereits am Ende des Raumes befinde. Der Körper strahlt etwas unheimliches, unerklärliches und doch ruhiges aus.
Wieder vernehme ich diese droneartigen Klänge und desto näher die Person kommt, desto lauter werden diese. Das Gesicht tief in der Kapuze versteckt steht diesen Wesen vor mir.
Ich will gerade nach seinem Gewand greifen, es herab ziehen und sehen, was mich hier festhält und quält als sich plötzlich alle meine Muskeln verkrampfen. Nicht lang, vielleicht eine Sekunde oder zwei und dann ist wieder alles entspant.
Ich versuche noch einmal nach dem Gewand zu greifen und das Spiel wiederholt sich.
Die Person dreht sich langsam wieder um und verlässt den Raum. Ich versuche noch hinterher zu robben aber Vergebens. Sobald ich dem Körper näher komme, verhärten sich meine Muskeln, versteifen, und machen mich bewegungsunfähig.
Während die Person den Raum verlässt befinde ich mich in der Mitte des Raumes, mit meinen Kräften am Ende.
Ohne ein Gefühl für Zeit und Raum verliere ich langsam den verstand. Wie lang bin ich bereits hier? Ein Tag? Eine Woche? Ein Jahr? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass ich diese Tortur nicht mehr lang aushalten kann.
Plötzlich höre ich eine Stimme. Fremdartig an Maschinen erinnernd.
Eins-Drei-Zwei-Fünf-Sieben-Sechs, wir werden nun das Licht löschen. Schlafen Sie!
Dann erlischt das Licht und meine Augen schließen sich wie von selbst.