Der Tag, an dem die Erde stillstand

18 12 2008

Scott Derrickson hat sich nach dem „Exorzismus von
Emily Rose“ nun also den Sci-Fi Klassiker „Der Tag
an dem die Erde stillstand“ angenommen. Einen
Streifen den es bereits 1951 gab und der damals
wohl eher durch seine Story als durch seine Machart
zu überzeugen wusste.

Derrickson hat allerdings einiges mehr aufgefahren.
Mit Jennifer Connelly und Keanu Reeves kann man
nicht gerade von einer Low-Budget Besetzung
sprechen und auch die Produktionskosten von
geschätzten 120 Millionen US-Dollar übersteigen bei
weitem den Rahmen, den damals Robert Wise zur
Verfügung hatte (im Vergleich lächerliche 1,2
Millionen).

Das Geld allein aber noch keinen guten Film abliefert
beweist Derrickson hier sehr gut.
Obwohl der Film am Anfang noch relativ viel
verspricht leidet er bald unter der zu eng
zusammen geschobenen Story. Die Gesamtlaufzeit
von 103 Minuten reicht vorn und hinten nicht aus um
sich auch nur ansatzweise mit den Charakteren zu
Identifizieren. Teilweise bewegen diese sich in abstruse
Dialoge bis hin zu einem völlig belanglosen und
überhaupt nicht nachzuvollziehenden Plot.

Und wenn man dann denkt, dass zumindest fürs
Auge etwas geboten wird, wird man ebenfalls
enttäuscht. Zwar wirken die Effekte, die im Film zu
sehen sind nicht billig aber man spart mit ihnen und
setzt sie häufig deplatziert ein. Der Film schafft es
trotz einer Story, die das bevorstehende Ende der
Menschheit innehat einfach zu keinem Zeitpunkt an
Spannung aufzubauen. Immer wieder rückt die
Nebenstory inlusive zwischenmenschlicher Beziehungen
in den Vordergrund und lässt den Zuschauer ratlos
zurück.

Daran können auch Jennifer Connelly, Keanu Reeves
und Jungstar Jaden Smith, den einige sicher aus
„Das Streben nach Glück“ kennen, nichts ändern.
Viel mehr wirken sie in ihrer Rolle verloren und
versuchen nur noch das Dilemma relativ gering zu
halten.

Abgerundet von Productplacement der extremen Art
(Microsoft hier, LG da und das große goldene M von
MCD darf natürlich auch nicht fehlen), bei der der
Zuschauer das Gefühl nicht los wird, dass hier eher
ein Werbefilm läuft schaft es „Der Tag an dem die
Erde stillstand“ leider nicht mal ansatzweise auf das
Level, welches eher durch seine extreme
Medienpräsenz vermittelt.

Am Ende werden wohl viele Kinobesucher den Saal
enttäuscht verlassen und sich fragen,
was denn nun die große Moral des Films ist bzw war.
Denn das, was in den 50ern den Film ausmachte,
wurde hier mit Starbesetzung zu Grunde gerichtet.

Hoffen wir am Ende, dass die nächste Neuverfilmung
(welche ja ohnehin schon wieder in den Startlöchern
steht) mehr zu bieten hat.

Von mir gibt es (mit Auge zugedrückt!)
1 von 5*





Ein Quantum Trost – Bond 007

16 11 2008

Daniel Craig nun also zum Zweiten mal in der Rolle des Bond und die
Veränderung geht weiter. Sicher, Bond ist nicht mehr der Bond, den ein
Sean Connery darstellte. Aber im Ernst, wer will bitte eine 22. Neuauflage
von James Bond jagt Dr. No sehen? Die Gesellschaft wie auch das Kino
haben sich verändert, sind schneller geworden, wollen mehr aktive
Aktion, sich mit dem Darsteller noch mehr identifizieren und Eon
Productions hat dies mittlerweile eingesehen.

Das Craig perfekt zur Rolle des neuen Bonds passt, konnte man bereits
im letzten Teil sehen und auch hier sitzt ihm der Anzug wieder wie
angegossen. Kühl und doch als seelisches Frack gezeichnet ist Bond
menschlicher geworden, macht Fehler und ist mit auch nicht mehr der
Gigolo von damals. Muss er aber auch nicht da dies für den Zuschauer
doch irgendwann ermüdend und Weltfremd war.
Dennoch beweist auch der heutige Bond seine stärken im Kampf für die
Queen und genau sind noch immer die Schnittstellen zu den alten
Klassikern. Und natürlich konnte der neue Bond auch ein anderer
Agentenstreifen sein, ist er aber nicht. Das der Film sich dies heute
vorwerfen lassen muss, liegt allerdings vor allem an der Stagnation in
den Letzten 40 Jahren in denen sich Bond eben nie sonderlich weiter
entwickelt hat.

Die Story ist Agentenfilmtypisch. Es gibt Verschwörungen, falsche
Freunde und Feinde und schöne Frauen. An Aktion wird nicht gespart und
auch Spannung ist im Spiel. Das Ein quantum Trost dann mit seinen ca.
100 Minuten der bisher kürzeste (und dennoch teuerste) Bond ist, tut
dabei vielleicht maximal in der Geldbörse weh wenn man dann dennoch
8,50€ zahlt, tut dem Film aber gut, der dadurch extrem an Fahrt gewinnt.
In die relativ kurze Spielzeit hat man dann dennoch alles reingesteckt
was geht. Zu Luft, am Boden und im Wasser kommen Stund und
Aktionfreunde wieder auf ihre Kosten. Auffallend ist dabei der Schnitt, der
viele Einstellungen hektisch und unüberblickbar erscheinen lässt. Dies
schafft die Atmosphäre näher am Geschehen zu sein. Eine „3rd Person“
Einstellung wäre hier zwar übersichtlicher, schafft aber Distanz.

Natürlich gibt es auch wieder unglaublich viel Productplacement, aber dies
ist man ja von Bond gewohnt.

Alles in allem ein guter Bond Streifen, der seinen Anforderungen gerecht
wird und, wie immer, die Kinokassen füllen wird. Da gehört Bond auch hin,
ins Kino. Tiefgang, mehrgliedrige Handlungsstränge und Experimentier-
freudigkeit sucht man hier nämlich vergeblich.
Da ich aber auch nicht einen solchen Anspruch an einen Bond Film habe,
sondern einfach nur gut unterhalten werden möchte kann man dem Film
keinen Vorwurf machen.

Bleibt am Ende zu hoffen, dass man sich durch die Kritiken nicht zu stark
beeinflussen lassen wird und am neuen Kurs festhält.

3,5 von 5*