Medienfest.nrw -> 7. Juni 2008 (Tocotronic, Klee, Nil)

8 06 2008

Auch auf die Gefahr hin sagen zu können, dass ich auch schon das letzte Review über ein Tocotronic Konzert mit folgenden Worten begonnen habe, werde ich dies wieder tun (wenn ich denn überhaupt so begonnen habe).

Es gibt Bands, die begleiten einen Menschen seit Jahren, helfen in guten wie in schlechten Zeiten, holen einen aus den Jugendjahren und der Jugendbewegung und hieven uns dann in ein Vorerwachsenenstatus (ein glorreiches Wort), bis dieser dann auch irgendwann zu Ende ist und wir fleißig weiter gehen.

Tocotronic ist eine solche Band und wie auch schon im letzten Jahr hatte der NRWler abermals die Möglichkeit die Hamburger kostenlos zu sehen. Diesmal dann sogar direkt in der schönen Stadt mit Dom.
Nachdem letztes Jahr bereits Tomte (der Stammleser erinnert sich) das Medienfest besuchten waren nun also Tocotronic dran und als Vorband gab es Klee (welche schon im letzten Jahr beim CSD nicht gut weg gekommen sind) und Nil um die Ohren.

Nil kommen aus Brühl und machen Musik, die stark an Virginia Jetzt! und Madsen erinnert. Das ist nichts neues aber OK. Wie zu erwarten war hatten Nil dann aber auch ein eher kleines Publikum und auch wir saßen dann doch lieber noch ein wenig auf dem Stein und lauschten so nebenbei. Unterhaltsam war das dann schon, aber eben nichts was einen dazu zwingt von sitzender in stehende Position zu wechseln.

Danach gab es dann eine kurze Umbaupause und Klee betraten die Bühne. Seichter Pop par excellence hab ich zumindest früher mal behauptet. Damals als Klee noch frisch waren, war dies wohl auch noch wahr, doch Klee spielen auch heute noch Standard/Kompakt, Gold und Co. und verlieren sich so in ihrer eigenen Discographie. Es scheint fast so, als sehe man hier die Rosenstolz von morgen. Dies kann man jetzt als Lob nehmen, aber eben auch als Kritik. Natürlich sind Klee dadurch keine schlechte Band, aber eben auch nichts, was man nicht schon einmal irgendwann irgendwo gehört hat. Wir blieben dann lieber weiter sitzen während andere über Klee sichtlich erfreut waren.

Tja und dann steht da auch schon wieder die nächste Umbaupause an. Da geht man dann am Besten noch einmal fix zum Kiosk um den Medienfest geeichten Preisen aus den Weg zu gehen und überbrückt so noch die Pausenmusik von Jan FDP-Rockt Delay. Noch einmal Glück gehabt.

Tocotronic beginnen überraschenderweise mit der B-Seite „Hi-Fi-Science-Fiction“. Ein recht langsamer Song der für mich nicht sonderlich überzeugend wirkt. Auch am Klang fehlt es ein wenig im Mediapark. Es scheint, als verschluckt der Bass die gesamten Höhen. Nach den Grenzen des Guten Geschmacks 2, Verschwör dich gegen dich, Sie wollen uns erzählen und aus meiner Festung bewege ich mich dann auch mal ein wenig gen Mitte. Bis hier hin hatten die 4 Jungs ein sauberes Konzert abgeliefert. Man erkannte die Struktur in der Setlist die immer mehr an Geschwindigkeit und dichte zu nahm. Dies machte die Sache dann in der Mitte allerdings recht anstrengend. Klar springen ist gut und toll aber man geht doch nicht mit gestreckten Bein und ausgefahrenen Ellenbogen in ein „Tocotronicpogo“ wenn man das denn so nennen kann. Auch störten die immer wieder aufkommenden versuche bei Songs mitzuklatschen und man kann sich nur wünschen, dass die Jungs und Mädels mit den unruhigen Händen mal irgendwann den Roskilde Mitschnitt hören und verstehen werden „die mögen das ja gar nicht“. Und vielleicht, aber nur vielleicht, werden sie bis dahin auch verstehen, dass es Songs gibt bei denen man abgehen kann (sag alles ab, Let there be Rock usw.) und dass es eben auch Songs gibt, bei denen man nicht wie verrückt rumspringen muss um seinen Klassenkameraden zu beweisen wie rockig man doch schon ist. Ach, und wenn schon Pogo dann doch bitte ohne Rucksack liebe Leute, denn die nehmen nicht nur Platz weg und Kratzen wie blöd sondern verhindern auch noch Körperkontakt den einige ja wohl um alles in der Welt wollten.
Auffällig ist, dass ein solches Verhalten immer wieder nur auf Umsonst und Draußen Konzerten zu finden ist und z. B. der Tourauftakt im letzten Jahr davon verschont geblieben ist. (zum Glück)

Aber was erzähl ich hier eigentlich alles? Am Ende waren Tocotronic doch wieder toll und mit ca 90 Minuten auch die Band mit der längsten Spielzeit und 2 Zugaben. Auf Songs wie Jackpot und Freibug hat man
dann aber wohl aus Zeitgründen verzichtet und ein „music is the healing force of the universe“ gab es auch nicht zum Abschied.

Ich, in meiner arroganten Haltung, hoffe dann zum Schluss einfach mal, dass der Nachwuchs ein paar Konzerte mehr besucht und ein bissel lernt und vor allem dieses „wir klatschen zum Takt“ Zeug lässt und freue mich auf das nächste Konzertereignis.





Explosions in the Sky, Eluvium -> 21. Mai 2008 (Kulturkirche)

25 05 2008

Es gibt Abende, unter denen auch Konzerte, da weiß man schon in dem Moment wo man aus dem Haus geht „heut wird alles gut“. Und jeder der solche Abende kennt weiß, dass es dann schwer wird die Erwartungen zu erfüllen da man meist einfach zu viel will.

Meine Erwartungen an Explosions in the Sky waren, ungelogen, gigantisch denn immerhin waren EitS unter den ersten Bands durch die ich überhaupt in den Postrock Sektor gerutscht bin. Ich war also mehr als gespannt was mich da so in der mir unbekannten Kulturkirche erwartet…

Pünktlich 18:50 verlasse ich dann auch mein kleines Zimmerchen und werde von der neuen Fuck Buttons begleitet (sehr gutes Album!), bin also musikalisch bestens ausgestattet um meine Fahrt nach Nippes anzutreten. Dort angekommen lauf ich erst einmal in die falsche Richtung um dann doch noch zur Kulturkirche zu finden und dies, wie ich sehe, keine Minute zu spät denn die Tore sind noch verschlossen und eine Traube an Menschen wartet gespannt wann es denn nun endlich rein geht. Kurz darauf wurden dann auch eben diese Tore geöffnet und es zeigte sich die erste positive Überraschung.
Zwar war klar, dass die Kulturkirche eine echte Kirche ist aber wie das dann nun wirklich in natura Ausschaut war mir bis dahin völlig unklar und doch, ich war Überrascht. Durch die „bunten“ Kirchenfenster schien noch ein wenig die warme Maisonne und viele der Besucher schauten sich erstmal ein wenig um. Viel zu sehen gab es eig. auch gar nicht da die Kulturkirche doch relativ klein ist. Trotzdem strahlte sie einen gewissen Reiz auf die Besucher inklusive mich aus.

Dann erstmal wieder nach draußen „ne Kippe“ rauchen und dann sollte auch schon bald Eluvium spielen.

Mir vorher absolut unbekannt überraschte schon das Intro. Ein Mix aus Ambient, Noise und Drone Sounds die allesamt live eingespielt wurden. Dabei spaltete er das Publikum wohl in 2 sich sehr unterscheidende Lager denn während die einen nach dem Set ziemlich gelangweilt waren, waren andere hellauf begeistert. Ich zähle mich mal zu der letzten Gruppe denn mir war ein solches Arbeiten mit Musik vorher nicht bekannt. Man spielt ein Rif, Loopt das, verzehrt es, spielt ein anderes Rif genau drüber, n bissel Noise da, n bissel drauf hauen dort… klingt jetzt alles sehr merkwürdig aber das ganze ist auch schwer zu beschreiben.
Negativ aufgestoßen hat dann allerdings die Linke Box welche sich immer wieder durch ein Kratzen bemerkbar machte. Diese sollte später noch einmal kurz nerven…

Nach 45 Minuten war dann auch alles vorbei und ich bewegte mich noch einmal raus um das letzte Licht des Tages mit zu nehmen (und natürlich um eine zu rauchen). Wieder drin zeigte die Kirche erst ihren vollen Reitz.

Explosions in the Sky wurden angekündigt und sofort war es Still in der Kirche. Man hätte an einigen Stellen sicher ein Sandkorn aufschlagen hören. Da lag eine Spannung und Energie in der Luft wie man sie sich häufiger wünschen würde. Schon hier überzeugte der Klang in der Kirche total als dann aber auch härtere Töne angeschlagen wurden und man den Bass im Bauch spürte hatte die Kirche wohl alle Leute auf ihrer Seite. Ein Sounderlebnis welches zumindest in diesem Jahr bis jetzt seines gleichen sucht. Aber nicht nur für die Ohren wurde gesorgt denn die, eher minimalistische, Licht“show“ wirkte hier einfach super.

Man kann mit Sicherheit behaupten, dass es keine bessere Lokation für diesen Abend gegeben hätte und dies nutzten EITS vollkommen aus. Einige Songs liefen direkt in einander um die Zuschauer teilweise für 15 – 20 Minuten in ihren Bann zu ziehen. Diese dankten es dann an den wenigen Stellen an denen man mal „Jubeln“ konnte ausgiebig. Zwischendurch meldet sich noch einmal unsere Linke Boxe mit einem Brummen welches kurzzeitig doch schon sehr störend wirkt nach 1-2 Minuten jedoch behoben wird.

Die Band machte das, was man von ihnen erwartete. Spielen und das ohne viel TamTam und LaberLaber. Was bei anderen Bands als Defizit benannt werden würde wird hier aber positiv heraus gehoben.
Nach ca. 90 Minuten ist dann alles vorbei und die Gäste dieser eindrucksvollen Vorstellung schreien noch gut 10 Minuten nach einer Zugabe die uns aber leider nicht gegönnt wird.

Fazit: Tolles Konzert in toller Lokation





Bell X1, Tadhg Cooke -> 5. Mai 2008 (Luxor)

6 05 2008

Es ist so gegen 21:30Uhr als ich das Luxor betrete und schon bin ich ein wenig überrascht. Es sind vielleicht 40-50 Leute anwesend um sich Bell X1 anzuschauen und während Tadhg Cooke wirklich schönen Sound spielt halten alle noch artig Abstand. Ein wenig tut es mir dann doch leid aber immerhin gibt es ja Applaus.

Noch ein wenig gespielt und dann eine längere Pause die getränkt in melancholische Backgroundmusik und grünes Dämmerlicht kaum zu enden schien. Aber letztendlich ging es dann ja doch noch weiter und auch das Publikum lies ein wenig von seinen Berührungsängsten ab.

Mit Bad Skin Day, einem der besten Stücke der Band, begannen Bell X1 dann auch ihr Konzert welches vor allem mit ruhigen Momenten glänzte.  Zwar brach die Band auch zwischenzeitlich mal aus, rockte los, überstieg grenzen oder viel in einen kleines Noisewald oft hatte man ein solches Erlebnis aber leider nicht.
Dennoch wissen Bell X1 auch so live zu gefallen was vor allem an den tollen Pop/Rock Stücken liegt mit denen sie auch locker 3 Stunden voll bekommen würden.
Das wollten die guten Iren aber nicht und so ließen sie bereits nach 50 Minuten zur Zugabe rufen. Das klappte dann auch erstaunlich gut aber nach 70 – 80 Minuten war dann auch das Konzert zu ende.

Was bleibt war ein gutes aber leicht bedrücktes Gefühl und so bin ich der Meinung das Bell X1 in einem gefüllten Luxor sicher besser gewirkt hätten. Bei ihrem nächsten Besuch in der Stadt mit Dom bin ich aber definitiv wieder mit.