Auch auf die Gefahr hin sagen zu können, dass ich auch schon das letzte Review über ein Tocotronic Konzert mit folgenden Worten begonnen habe, werde ich dies wieder tun (wenn ich denn überhaupt so begonnen habe).
Es gibt Bands, die begleiten einen Menschen seit Jahren, helfen in guten wie in schlechten Zeiten, holen einen aus den Jugendjahren und der Jugendbewegung und hieven uns dann in ein Vorerwachsenenstatus (ein glorreiches Wort), bis dieser dann auch irgendwann zu Ende ist und wir fleißig weiter gehen.
Tocotronic ist eine solche Band und wie auch schon im letzten Jahr hatte der NRWler abermals die Möglichkeit die Hamburger kostenlos zu sehen. Diesmal dann sogar direkt in der schönen Stadt mit Dom.
Nachdem letztes Jahr bereits Tomte (der Stammleser erinnert sich) das Medienfest besuchten waren nun also Tocotronic dran und als Vorband gab es Klee (welche schon im letzten Jahr beim CSD nicht gut weg gekommen sind) und Nil um die Ohren.
Nil kommen aus Brühl und machen Musik, die stark an Virginia Jetzt! und Madsen erinnert. Das ist nichts neues aber OK. Wie zu erwarten war hatten Nil dann aber auch ein eher kleines Publikum und auch wir saßen dann doch lieber noch ein wenig auf dem Stein und lauschten so nebenbei. Unterhaltsam war das dann schon, aber eben nichts was einen dazu zwingt von sitzender in stehende Position zu wechseln.
Danach gab es dann eine kurze Umbaupause und Klee betraten die Bühne. Seichter Pop par excellence hab ich zumindest früher mal behauptet. Damals als Klee noch frisch waren, war dies wohl auch noch wahr, doch Klee spielen auch heute noch Standard/Kompakt, Gold und Co. und verlieren sich so in ihrer eigenen Discographie. Es scheint fast so, als sehe man hier die Rosenstolz von morgen. Dies kann man jetzt als Lob nehmen, aber eben auch als Kritik. Natürlich sind Klee dadurch keine schlechte Band, aber eben auch nichts, was man nicht schon einmal irgendwann irgendwo gehört hat. Wir blieben dann lieber weiter sitzen während andere über Klee sichtlich erfreut waren.
Tja und dann steht da auch schon wieder die nächste Umbaupause an. Da geht man dann am Besten noch einmal fix zum Kiosk um den Medienfest geeichten Preisen aus den Weg zu gehen und überbrückt so noch die Pausenmusik von Jan FDP-Rockt Delay. Noch einmal Glück gehabt.
Tocotronic beginnen überraschenderweise mit der B-Seite „Hi-Fi-Science-Fiction“. Ein recht langsamer Song der für mich nicht sonderlich überzeugend wirkt. Auch am Klang fehlt es ein wenig im Mediapark. Es scheint, als verschluckt der Bass die gesamten Höhen. Nach den Grenzen des Guten Geschmacks 2, Verschwör dich gegen dich, Sie wollen uns erzählen und aus meiner Festung bewege ich mich dann auch mal ein wenig gen Mitte. Bis hier hin hatten die 4 Jungs ein sauberes Konzert abgeliefert. Man erkannte die Struktur in der Setlist die immer mehr an Geschwindigkeit und dichte zu nahm. Dies machte die Sache dann in der Mitte allerdings recht anstrengend. Klar springen ist gut und toll aber man geht doch nicht mit gestreckten Bein und ausgefahrenen Ellenbogen in ein „Tocotronicpogo“ wenn man das denn so nennen kann. Auch störten die immer wieder aufkommenden versuche bei Songs mitzuklatschen und man kann sich nur wünschen, dass die Jungs und Mädels mit den unruhigen Händen mal irgendwann den Roskilde Mitschnitt hören und verstehen werden „die mögen das ja gar nicht“. Und vielleicht, aber nur vielleicht, werden sie bis dahin auch verstehen, dass es Songs gibt bei denen man abgehen kann (sag alles ab, Let there be Rock usw.) und dass es eben auch Songs gibt, bei denen man nicht wie verrückt rumspringen muss um seinen Klassenkameraden zu beweisen wie rockig man doch schon ist. Ach, und wenn schon Pogo dann doch bitte ohne Rucksack liebe Leute, denn die nehmen nicht nur Platz weg und Kratzen wie blöd sondern verhindern auch noch Körperkontakt den einige ja wohl um alles in der Welt wollten.
Auffällig ist, dass ein solches Verhalten immer wieder nur auf Umsonst und Draußen Konzerten zu finden ist und z. B. der Tourauftakt im letzten Jahr davon verschont geblieben ist. (zum Glück)
Aber was erzähl ich hier eigentlich alles? Am Ende waren Tocotronic doch wieder toll und mit ca 90 Minuten auch die Band mit der längsten Spielzeit und 2 Zugaben. Auf Songs wie Jackpot und Freibug hat man
dann aber wohl aus Zeitgründen verzichtet und ein „music is the healing force of the universe“ gab es auch nicht zum Abschied.
Ich, in meiner arroganten Haltung, hoffe dann zum Schluss einfach mal, dass der Nachwuchs ein paar Konzerte mehr besucht und ein bissel lernt und vor allem dieses „wir klatschen zum Takt“ Zeug lässt und freue mich auf das nächste Konzertereignis.
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